oder ”Darum nervt der Autor”.
Gelesen hab ich das Buch schon seit 2 Monaten, aber bisher nicht darüber geschrieben. Wie es so war? Die Anekdoten darin sind ganz lustig, aber die Auslegung des Autors ist eine Parade von Unverschämtheiten und Lügen. Krawallbuch eben. Aber von Vorne.
Die Einleitung war noch ganz nett. Hier wird zwar schon zum ersten Mal einen übertriebene Behauptung aufgestellt, nämlich dass die Japaner ja für alles Regen hätten, man überall regelrecht durch Transparente angeschrien wird und die Japaner ja so ausländerfeindlich seien (ja, schon hier ist man leicht verwirrt), aber ersteres und zweiteres kann man noch abtun, zumal das schon ein wenig mehr als bei uns vorkommt. Der Rest ist ganz witzig, man erfährt, dass die Japaner einen Tag für alles haben (zB Tag des Reisepasses an meinem Geburtstag :D oder Tag der Pokki-Salzstangen am 11.11, weil das Datum aussieht, wie vier Salzstangen nebeneinander. Hintergrund: Was wir nur als Welt-xx-Tag kennen, gibt es dort national, weil sich Firmen die Rechte an solchen Tagen sichern können, wie es auch die Firma Pokki getan hat. -> Werbeeinnahmen). Hier hört es mit den Erklärungen für japanische Eigenarten auch schon auf, weshalb einiges, was durchaus sinnvoll ist, wenn man den Hintergrund erfahren würde, völlig gaga wirkt. Denn wer sich wie ich auch nur ein bisschen auskennt, der weiß, dass Japan ein Land ist, in dem man mit Logik sehr weit kommt, schließlich ist die Verfassung dort nach europäischem Vorbild gestaltet worden, und sonst hat man, wie Deutschland damals von den Amis, einiges nachgemacht, was sich bis heute erhalten hat (zB die Matrosenanzüge für Schüler, nach Norddeutschem Vorbild, haben im ganzen Land große Bekanntheit erreicht und sich schließlich ganz durchgesetzt, bis heute).
Das erste Kapitel beginnt mit einer (zu ausführlichen..urgh) Geschichte über einen Selbstmord (whyever), die das Thema ‘Schuheausziehen’ einläuten soll. Hier die erste richtige Beleidigung aller Japaner: Unser Herr Autor war zu dämlich, die Klopantoffeln auszuziehn und ist damit durchs Haus gelaufen. Dass die Gastgeber einen unerfreuten Blick aufgesetzt haben, liege natürlich daran, dass alle japanischen Toiletten wohl sehr dreckig sein müssen. Die Tatsache, dass es in Japan allenorts sehr sauber ist (wegen dem ‘Weg des Putzens’, einem buddhistischen Glaubenszweig, der besagt, dass äußere Reinigung auch innere Reinigung zu Folge hat, weshalb überall geschrubbt wird) und dass das Schuheausziehen auf ein shintoistisches Reinheitsgebot zurückgeht, das sich bei heute noch gehalten hat, wird dem Leser natürlich verschwiegen. Sonst wäre ja die schöne Argumentation hin.
Kapitel 2 beginnt wieder mit einer Lüge, nämlich dass das widerwärtige Natto ein beliebter japanischer Snack sei. Nun, also ich habe gehört, dass die meisten Japaner das selbst nicht abkönnen, und sämtliche Mangaka, die darüber geschrieben haben sowie jeder Charakter in Animes, Mangas oder Filmen, der das Zeug erwähnt hat, fanden es ekelerregend. Aber seis drum. Weiter in diesem Kapitel geht es mit der Esskultur, die den Japanern sehr wichtig ist (das stimmt). Nun wird aber behauptet, ausländisches Essen dort wäre furchtbar, weil die Japaner selber kochen, anstatt Einwanderer, die wissen, wies geht (aber wo welche herkriegen? In ganz Japan gibt es nur 3000 Ausländer. Können wir uns gar nicht vorstellen.) und die Einheimischen selbst wüssten gar nix von traditoneller ausländischen Küche. Ach. Jeder Chinese regt sich über unsere Pseudo-Chinarestaurants doch auch auf. Ist ja auch kein Wunder: In jedem Land versucht man den Geschmack der Einheimischen zu treffen, das ist bei uns nicht anders als da. Aber das wird natürlich nicht erwähnt.
Kapitel 3 ist iwie eigenartig. Es geht um öffentliche Freibäder, die, wir wir wissen, immer überfüllt sind. Nun wird sich darüber lustig gemacht, dass man jede Stunde kurz aus dem Becken muss. Der durchaus sinnvolle Hintergrund wird verschwiegen: Es geht natürlich NICHT darum, dass den Leuten eine Zwangserholungspause reingedrückt werden muss, sondern dass nach gefährlichen Gegenständen und sogar nach Leichen geguckt wird. Ja, es mag etwas übertrieben wirken, aber da schwimmen wirklich viele Leute. Da geht ein Mensch mit Herzinfarkt schon mal schnell in der Masse unter. Da unser Autor zum ersten mal eine echte Schrulligkeit entdeckt hat, nutzt er das natürlich weidlich aus, und beschreibt jedes Detail (relativ uninformatives Blabla). Zuletzt zieht er nochmal ausführlich über das Seifenverbot in öffentlichen Freibädern ab: Komisch, bei uns ist es auch verboten, Seife ins Schwimmbecken zu bringen, und es duscht auch keiner vor dem Baden (außer dem Abduschen mit verdammt kaltem Wasser, was es da auch gibt), trotzdem ist es dort unhygienisch. Der Herr Autor hängst sich aber daran auf, dass auch hinterher keiner mit Seife duschen darf (weil man dann ausrutschen könnte und durchs Haarewaschen anscheinend oft die Leitungen verstopfen), aber bei uns duscht doch auch jeder daheim, oder? Blah.
Das nächste Kapitel ist kurz und der Autor beschwert sich darüber, dass Fahrräder ja sooooooo schlimm sind! Das wars auch schon.
Das nächste Kapitel ist ein rechter Witz, es geht um die Yakuza. (Warum heißt das Buch nochmal ”Darum nerven Japaner”?) Unser Autor ist ja bestimmt super in die Machenschaften der japanischen Mafia eingeweiht… nun, er beschreibt ungewollt, dass die Yakuza eine außerordentlich schlaue Mafia sind, da sie nicht Privatpersonen, sondern zB Krankenhäuser erpressen, und somit Privatpersonen nichts von deren Treiben mitkriegen. Außer er natürlich.
Nun erfolgt ein weiteres Kapitel darüber, dass es über all Schilder und Durchsagen mit Regeln gibt. Hatten wir nur leider schon.
Das nächste Kapitel hat wieder gar nichts mit dem Titel des Buches zu tun, denn es geht ua um Abtreibungen (Boah, es nervt so dermaßen, dass du abtreibst!), ein völlig daneben gegriffenes Kapitel, aber es sind ja nur 4 Seiten. Das nächste Kapitel erzählt endlich mal wieder was von Alltagsdingen, die nerven könnten, nämlich dass japanische Studenten oft rumschlurfen und wie Japanerinnen winken. Ja, über sowas wird berichtet. Gähn….
Nun gehts um die U-Bahnen. Laut Titel nerven also Japaner, weil die Bahnen überfüllt sind – und alle Deutschen nerven, weil die Bahn ständig zu spät kommt. Also, dafür können doch die Passagiere nix. Und die Bahn ist halt schon ausgelastet, mehr als alle 2 Min eine Bahn geht nicht – und ganz Tokyo neu untertunneln, sicher. Auch schön die Aussage, dass sich deswegen viele umbringen würden. Herrlich.
Ehrlich gesagt: Ich habe keinen Bock mehr. Lest den Rest selber, oder besser nicht: Wer Japan einigermaßen kennt, ist erzürnt über das, was hier zusammen gelogen wird, und wer es nicht kennt, bekommt einen falschen Eindruck davon.